Buchhandlung Storm
Bremen, Bremen
Eine der ältesten Buchhandlungen Deutschlands, gegründet 1897 vom Neffen Theodor Storms, mehrfach preisgekrönt und 2024 nach 127 Jahren geschlossen.
Kategorien:
UnabhängigLiteraturSachbuchKunstAdresse
Langenstraße 11, 28195 Bremen
Öffnungszeiten
Geschlossen seit Juni 2024
Die Buchhandlung Storm war mehr als nur ein Buchgeschäft in der Bremer Innenstadt. Sie war ein Stück deutscher Literaturgeschichte, deren Wurzeln bis zum berühmten Dichter Theodor Storm zurückreichen. Nach 127 Jahren musste die älteste Buchhandlung Bremens im Juni 2024 ihre Türen schließen.
Geschichte: Von Theodor Storm zur Bremer Institution
Am 25. April 1897 eröffnete Johannes Storm seine Buchhandlung Am Wall 163 in Bremen. Johannes war der Neffe des Dichters Theodor Storm, der der Karriere seines "sehr ergebenen Neffen" gleich zweimal auf die Sprünge geholfen hatte: erst bei der Vermittlung eines Ausbildungsplatzes und dann bei der ersten Festanstellung. Ohne diese Unterstützung wäre die Buchhandlung möglicherweise nie entstanden.
Der Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler gestaltete die Innenräume der ersten Buchhandlung. Die "Bremer Nachrichten" lobten damals: "Entzückend einfache, sehr praktische Schränke, deren Holzton dem Ganzen, gut proportionierten Raum eine behagliche natürliche Stimmung gibt."
Die Buchhandlung Storm prägte die Karrieren bedeutender Verleger. Ernst Rowohlt, der gebürtige Bremer und spätere Gründer des Rowohlt Verlags, fühlte sich von Johannes Storm "in der hervorragendsten Weise beraten". Er kaufte dort "auch auf Kredit, schöne Drucke und schulte so meinen Blick für das gut ausgestattete Buch". Rowohlts Mitschüler Gustav Kiepenheuer, der später ebenfalls einen großen Verlag gründete, absolvierte sogar seine Ausbildung bei Storm. Auch die Malerin Paula Modersohn-Becker zählte zu den Kunden.
1932 zog die Buchhandlung an den Domshof um. Im Oktober 1944 wurde sie durch Bomben weitgehend zerstört. Der damalige Inhaber Wolf Herrmann eröffnete nach dem Krieg provisorisch in einer Privatwohnung auf 40 Quadratmetern. 1950 kam Storm zunächst am Herdentorsteinweg unter, zwei Jahre später in der Obernstraße. 1970 übernahm Jürgen Neher die Leitung und eröffnete in den 1980er-Jahren in der Langenstraße die damals größte Buchhandlung Bremens.
Am 1. Januar 2017 übernahm Alexandra Rempe die Geschäftsführung. Die 1979 geborene Buchhändlerin hatte bereits mit 26 Jahren "Miss Marple's Buchladen" in Nordkirchen im Münsterland gegründet.
Das Sortiment
Die Buchhandlung Storm spiegelte ein ambitioniertes, literarisch und geisteswissenschaftlich geprägtes Sortiment wider:
- Literatur: Anspruchsvolle Belletristik und Klassiker
- Philosophie: Werke, die zum Denken anregen
- Geschichte: Fundierte historische Literatur
- Kunst und Design: Bildbände und Kunstliteratur
- Englischsprachige Bücher: Ein breites internationales Angebot
Alexandra Rempe beschrieb ihre Philosophie so: "Mein Ziel ist es, dem Abseitigen einen Platz einzuräumen." Storm stellte "Aufklärung in medienüberfluteten Zeiten" zur Verfügung und führte Inhalte, die "nicht immer bequem" waren.
Auszeichnungen
Die Qualität der Arbeit wurde mehrfach anerkannt:
- Deutscher Buchhandlungspreis 2020: Storm wurde als eine von nur fünf deutschen Buchhandlungen mit dem Gütesiegel "Besonders herausragende Buchhandlung" ausgezeichnet und erhielt 15.000 Euro Preisgeld. Kulturstaatsministerin Monika Grütters überreichte die Auszeichnung in Berlin. "Das hat noch keine Bremer Buchhandlung geschafft", sagte Alexandra Rempe damals.
Diese Auszeichnungen bestätigten die besondere Stellung der Buchhandlung in der deutschen Buchhandelslandschaft.
Veranstaltungen und Engagement
Ein umfangreiches Kulturprogramm prägte die Buchhandlung Storm. Alexandra Rempe organisierte allein im Herbst mehr als 15 Lesungen und beteiligte sich mit dem Geschäft an der Bremer Literaturnacht. "Da lechzen die Leute nach", sagte Rempe über das kulturelle Veranstaltungsprogramm.
Über die eigene Buchhandlung hinaus engagierte sich Rempe im Vorstand der Bremer Literaturstiftung und setzte sich für die lokale Literaturszene ein.
Lage und Gebäude
Die Langenstraße 11 liegt im Herzen der Bremer Altstadt. Das viergeschossige, verklinkerte Giebelhaus mit Satteldach wurde um 1955 als Nachkriegsbau im konservativen Stil der Zeit errichtet. Seit 1973 steht das Gebäude als Teil der Denkmalgruppe Langenstraße unter Bremer Denkmalschutz.
Das Ende einer Ära
Im März 2024 beantragte Alexandra Rempe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Bremen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Georg Schloenbach sah keine Anzeichen für Misswirtschaft. Vielmehr hatten Corona-bedingte Umsatzeinbrüche, der Wandel auf dem Buchmarkt und eine Großbaustelle in unmittelbarer Nähe das Geschäft belastet.
Trotz intensiver Gespräche mit potenziellen Investoren konnte keine Lösung gefunden werden. Ende Mai 2024 schloss die Traditionsbuchhandlung nach mehr als 127 Jahren für immer ihre Türen. Mit der Schließung verabschiedete sich die letzte inhabergeführte Buchhandlung aus der Bremer Innenstadt.
Der Börsenverein erklärte: "Wir bedauern, dass mit der Schließung eine der Buchhandlungen betroffen ist, die viel für das kulturelle Leben und die Innenstadtbelebung in Bremen beigetragen hat."
Fazit
Die Buchhandlung Storm war ein einzigartiges Stück deutscher Literaturgeschichte. Von Theodor Storms Unterstützung für seinen Neffen über die Prägung großer Verleger wie Rowohlt und Kiepenheuer bis hin zu den zahlreichen Auszeichnungen in jüngster Zeit: Diese Buchhandlung stand für anspruchsvolle Literatur und kulturelles Engagement. Ihr Verlust hinterlässt eine Lücke in der Bremer Kulturlandschaft, die schwer zu schließen sein wird.
Kontakt (historisch):
- Telefon: 0421 321523
- E-Mail: storm@storm-bremen.de
- Website: storm-bremen.buchhandlung.de
Quellen:
- Literaturmagazin Bremen - 125 Jahre Storm
- Literaturmagazin Bremen - Buchhandlung Storm
- Weser-Kurier - Buchhandlung Storm feiert 125-jähriges Jubiläum
- Weser-Kurier - Buchhandlung Storm schließt nach 127 Jahren
- Weser-Kurier - Deutscher Buchhandlungspreis
- Handelskammer Bremen - Im Einsatz für die Literatur
- Börsenblatt - Storm optimistisch ins Insolvenzverfahren
- Wikipedia - Haus Langenstraße 11